Viele junge Frauen fragen sich, wann es Zeit wird, das erste Mal zum Frauenarzt zu gehen. Gründe für einen Frauenarztbesuch gibt es viele: Starke Menstruationsbeschwerden oder unregelmäßige Blutungen. Der Frauenarzt kann dann untersuchen, ob organische Ursachen für die Beschwerden vorliegen und gegebenenfalls Medikamente verschreiben, die die Schmerzen lindern und den Zyklus regeln können. Auch Infektionen (Pilzinfektionen, bakterielle Infektionen) sollten vom Facharzt abgeklärt und behandelt werden. Der Frauenarzt ist aber auch der richtige Ansprechpartner bei Fragen über all jene Veränderungen, die am Übergang zwischen Mädchen- und Frauenalter vor sich gehen. Viele Jugendliche sind sich unsicher, ob das, was in ihrem Körper vorgeht, normal ist und sind verunsichert, weil Sie mit vielen verschiedenen Meinungen zum Thema Menstruation, Verhütung und Sexualität konfrontiert werden. Bei einem Frauenarztbesuch sollten alle diese Fragen geklärt werden können. Oft wird der Frauenarzt auch dann aufgesucht, wenn das Thema Verhütung aktuell wird. Die Aufgabe des Frauenarztes besteht dann darin, mittels einer ersten Untersuchung eine normale Entwicklung zu bestätigen und mit der jungen Frau gemeinsam zu entscheiden, welche Verhütungsmethode für Sie die geeignete ist. Dabei wird kein Frauenarzt aus moralischen Gründen die Verschreibung eines Verhütungsmittels ablehnen, es kann aber sein, dass ein Verhütungsmittel aufgrund der körperlichen Voraussetzungen oder spezieller Grunderkrankungen nicht geeignet ist. Wichtig ist, dass alles, was in einer Ordination besprochen wird (ob mit dem Arzt oder den Sprechstundenhilfen), vollkommen vertraulich ist - d.h., niemand außerhalb der Ordination wird von den Untersuchungsbefunden erfahren.
Die meisten Mädchen haben ein mulmiges Gefühl, bevor Sie das erste Mal zum Frauenarzt gehen - das ist ganz normal. Es gibt aber keinen Grund, sich zu schämen oder verunsichert zu sein. Wenn man sich nicht sicher ist, ob Blutungen, Ausfluss oder Juckreiz normal sind oder unter starken Regelschmerzen leidet, hat es auch keinen Sinn, Sorgen oder Probleme lange Zeit mit sich herumzutragen und den Frauenarztbesuch aus Scham hinauszuschieben. Die meist ganz schmerzlose Untersuchung zeigt schnell, ob es wirklich Anlass zur Beunruhigung gibt und wie Abhilfe geschaffen werden kann.
Vor der Untersuchung haben Sie die Möglichkeit zu einem ausführlichen Gespräch. Am besten sagen Sie gleich, ob Sie irgendwelche Beschwerden haben, oder ein Verhütungsmittel verschrieben haben möchten. Hier können Sie auch alle anderen Fragen stellen, die Sie beschäftigen.
Nach dem Gespräch müssen Sie in der Umkleidekabine Ihren Unterkörper freimachen. Anschließend setzen Sie sich auf den gynäkologischen Stuhl.
Dieser schaut auf den ersten Blick vielleicht ein bißchen unheimlich aus, ermöglicht es aber, Sie optimal zu untersuchen. Zuerst wird mit Hilfe des Kolposkops der Gebärmutterhals untersucht und ein Abstrich vom Muttermund genommen. Dabei werde ich Ihnen genau erklären, was ich gerade untersuche. Das Spekulum, das vorsichtig in die Scheide eingeführt wird, ermöglicht es, Gebärmutter und Muttermund zu betrachten. So kann ich sehen, ob es irgendwelche Auffälligkeiten am Gewebe gibt und in welchem Stadium des Zyklus Sie sich befinden. Für den Abstrich wird mittels eines Schaumstoffstäbchens etwas Schleim und Schleimhautzellen vom Muttermund abgenommen und auf einen Glasobjektträger gestrichen. Zusätzlich wird der Schleim unter dem Mikroskop untersucht. So sieht man, ob die Scheidenflora in Ordnung ist oder eine Infektion (z.B. Pilzinfektion) vorliegt. Später wird der Abstrich dann ins zytologische Labor geschickt - dort wird die Probe noch auf das Vorhandensein von krankhaften Zellen untersucht.
Anschließend folgt eine Tastuntersuchung. Dazu taste ich Scheide und Muttermund von innen ab und drücke mit der zweiten Hand vorsichtig von außen dagegen. So kann ich untersuchen, ob die Gebärmutter normal groß ist und ob die Eierstöcke normal gewachsen sind. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist zwar nicht angenehm, tut aber auch nicht weh. Falls doch etwas schmerzt, sollten Sie es gleich sagen, denn auch das kann ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht in Ordnung ist. Nach Möglichkeit führe ich auch eine Ultraschalluntersuchung durch. Das Jungfernhäutchen wird bei der Unterleibsuntersuchung in keinem Fall verletzt.
Anschließend folgt noch bei Bedarf die Brustuntersuchung. Dazu können Sie sich in der Kabine anziehen, müssen aber kurz noch den Oberkörper frei machen und sich auf die Untersuchungsliege legen. Nun wird noch vorsichtig Ihre Brust abgetastet, um eventuelle Knoten in der Brust entdecken zu können. Diese Brustuntersuchung sollten Sie selbst jedes Monat durchführen - ich erkläre Ihnen gerne, worauf Sie dabei besonders achten müssen. (Eine Anleitung für die Selbstuntersuchung der Brust finden Sie auch hier)
Danach können Sie sich wieder ganz anziehen und wir besprechen das Untersuchungsergebnis. Nun kann ich Ihnen auch sagen, ob noch weitere Untersuchungen nötig sind und wann Sie wieder zu einer Kontrolle kommen sollten. Falls Sie dann noch Fragen haben, können Sie Sie in Ruhe stellen.
© Dr. Walter Paulik 2002-2006
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