Die zweite, große hormonelle Umstellungsphase nach der Pubertät flößt in unserer, an der Jugend orientierten Gesellschaft vielen Frauen Furcht ein. Veränderte Lebenssituationen erfordern in dieser Altersgruppe oft eine Neuorientierung, führen zu einer allgemeinen Verunsicherung, manchmal herrscht auch Angst vor dem nächsten Lebensabschnitt. Das Gefühl, nicht mehr attraktiv und leistungsfähig zu sein, belastet oft mehr, als körperliche Beschwerden. Im Grunde sind sich Pubertät und Wechseljahre durchaus ähnlich. Die zusätzlichen körperlichen Beeinträchtigungen sind nur ein offensichtliches Zeichen des veränderten Lebensgefühls. An Stelle der Pickel stehen Falten und trockene Haut, schmerzhafte und starke Blutungen sind unregelmäßigen, schwachen gewichen und Hitzewallungen mit rotem Kopf haben das holde Erröten mit schweißigen Händen abgelöst. Versuchen Sie sich an die ach so unbeschwerte Jugendzeit ehrlich zu erinnern und entscheiden Sie dann, ob Sie wieder 14 oder 15 sein wollen oder nicht doch mit Ihren 45 bis 55 ganz zufrieden sind.
Umbruchzeiten sind immer schwierig, tragen aber auch den Reiz der Veränderung in sich. In anderen Kulturen wird der Ausstieg aus dem Fortpflanzungsprozess als erhebliche Erleichterung empfunden und das Ansehen in der Gesellschaft steigt mit dem Alter. Es ist wichtig, körperliche Beschwerden, die durch die hormonellen Veränderungen entstehen, zu behandeln und Spätfolgen eines Hormonmangels zu verhindern, Sie werden auf unserer Homepage aber nicht viel zum Thema "Anti-Aging" finden. Ich halte es für besser, so gesund und vital wie möglich, mit Freuden, Würde und Anstand alt zu werden, als ewige Jugend anzustreben. Das geht nur mit einer entsprechenden Lebensführung, liegt also in erster Linie in Ihren Händen. Ich kann Sie dabei fundiert und fachkundig beraten und wissenschaftlich gesicherte diagnostische und therapeutische Maßnahmen ergreifen, wenn es erforderlich ist.
Was für uns alle ein dringendes Anliegen sein sollte, ist, gesund und als vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft zu altern. Dazu gehört neben der gesellschaftlichen Integration auch, dass man sich körperlich wohl fühlt, selbst wenn das eine oder andere Wehwehchen dazu kommt. Ich möchte aber nicht jede "Mode" mitmachen und biete Diagnose- und Therapieverfahren, die (noch?) keine erwiesene Aussagekraft oder Wirksamkeit haben, nicht an, auch wenn ich darüber gut informiert bin und es dem Zeitgeist entsprechen würde. Einer ewigen Jugend nachzuhängen muss langfristig gesehen immer Illusion bleiben und eine Unsterblichkeit auf Erden erscheint mir eher erschreckend - würde sie doch immerhin das Aus für die Menschheit bedeuten.
So wie Ihr Körper in der Pubertät hormonell "erwacht", "schläft" er in den Wechseljahren langsam ein. Die Eierstöcke ermüden, es findet nicht mehr jeden Zyklus ein Eisprung statt, der Eierstock bildet nicht mehr regelmäßig einen Gelbkörper aus. Da nur der Gelbkörper das Gelbkörperhormon (Progesteron) bildet, entsteht erst einmal eine Unterversorgung des Körpers mit Progesteron. Das zieht die typischen Beschwerden des "Vorwechsels" (Prämenopause) nach sich. Stimmungsschwankungen und Blutungsstörungen im Sinn von unregelmäßigen Blutungen, manchmal auch lang anhaltenden Blutungen stehen im Vordergrund.
Der Östrogenmangel macht sich meist erst später mit Hitzewallungen und Schlafstörungen bemerkbar. Je weniger Hormone im Eierstock produziert werden, umso mehr steigt die Produktion der übergeordneten Botenhormone im Gehirn. Der Körper versucht mit der Ausschüttung einer hohen Dosis der steuernden Hypophysenhormone LH und FSH den Eierstock noch einmal zu einer normalen Hormonproduktion anzuregen. In der Zeit kann es zu sehr unterschiedlichen Hormonkonzentrationen im Körper kommen, Sie befinden sich mitten im Wechsel (Perimenopause), auch Ihre Befindlichkeit kann dementsprechend schwanken.
Bei fortgeschrittenerem Wechsel reagiert der Eierstock nicht mehr auf die Steuerhormone und es kommt bei einer Hormonuntersuchung zum typischen Bild der niedrigen Östrogen und Gestagenwerte, während FSH und LH erhöht sind. Wenn die Eierstöcke nicht mehr auf die Steuerhormone reagieren, kann auch kein Ei heranreifen und Sie brauchen keine Empfängnisverhütung mehr. Nach den Wechseljahren findet sich auch die Hypophyse mit den Gegebenheiten ab und alle Hormone pendeln sich auf einen relativ niedrigen Wert ein. Jetzt müssten Sie eigentlich die Umstellung hinter sich haben, aber nun ist es wichtig auf Spätfolgen des Hormonmangels wie Osteoporose, Inkontinenz und Veränderungen der Haut und Schleimhäute besonders zu achten.
© Dr. Walter Paulik 2002-2006
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