Peter Høeg - Poet aus Dänemark

Hodge 301

Selbst den Menschen, den man liebt, wird man nie ganz verstehen.

Peter Høeg

 

Zum Wegweiser auf der kosmischen Reise

 

 

Peter Høeg berührt mit seinen Büchern unser Innerstes, er vermittelt Unausprechliches. Jenseits literarischer und stilistischer Zwänge und Maßstäbe schreibt der Däne mit einer feinen Einfühlsamkeit zwischen den Zeilen Weltliteratur. Sein emotional beeindruckender Roman "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" machte ihn bekannt und ist auch als Kinofilm ein Erlebnis für alle Sinne.

Ausgewählte Zitate aus Høegs Werk:

 

 

Vorstellung vom zwanzigsten Jahrhundert

Niemand hatte ihr je erzählt, dass der nächstliegende Ort für die Suche nach Liebe und Anerkennung hier ist, genau hier, wo wir stehen, und deshalb fiel es ihr nicht ein.

Christoffer sah seine Tochter mit leerem Blick an. Er hatte Frauen nie begriffen ... Dass ein Mensch sich über seine Umgebung erhaben fühlen konnte, ging über seinen Verstand.

... Weihnachten ..., wo wir Geld ausgeben, das wir nicht haben, um Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen, um damit Eindruck auf Menschen zu machen, die wir nicht leiden können.

... der gemeinsame Hass auf die Vorgesetzten und die derbe Kameradschaft, der stinknormale dänische Soldatenkameradentraum von unserer allgemeinen Wehrpflicht beim überflüssigen, stupiden, in jeder Beziehung lächerlichen Militär, ...

... Schachtelhäuser ..., die aussahen wie Monumente, die man errichtet hat, um den rechten Winkel und die idiotische Mitverantwortung der Architekten für die Einsamkeit der Großstadt zu feiern.

 

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Von der Liebe

Alle Suchenden müssen das Falsche vom Wahren trennen, weshalb sie mit der glatten Lüge ebenso vertraut sind wie mit der Vernunft.

Mit dem letzten Satz hatte er seine Stimme wieder unter Kontrolle, trotzdem hing nun im Salon ein überempfindliches Schweigen, wie es einer plötzlichen Blöße folgt.

"Die Wahrheit über einen Menschen erfährt man aus seiner Maske." (Der General)

"Ich fange an zu glauben, dass dieser Kontinent (Anm.: Afrika), im Gegensatz zu Europa, nichts zu verbergen hat." (David)

Von dem Mädchen auf dem Stuhl in der Ecke ging eine Autorität aus, die über jeden Zweifel erhaben war und jede Frage überflüssig machte.

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Da begannen sie zu begreifen, dass ihre Heimatlosigkeit vielleicht nicht im Raum, sondern in der Zeit lag. Dass sie vielleicht in einem anderen Jahrhundert zu Hause waren als in dem, in das sie hineingeboren worden waren.

Ohne dass sie ein Wort gewechselt hätten, schlugen ihre Gedanken die gleiche Richtung ein und bewegten sich gemeinsam weiter.

In Dänemark sind sich alle einig, dass das große Rätsel die Verschiedenheit ist ... Für mich ... ist das anders ... Für mich besteht das große Geheimnis in der Frage, weshalb so viele im Gleichschritt gehen, mein Rätsel ist das Rätsel der Disziplin.

"Wir sollten", sagte der Mohammedaner, "unsere Kräfte nicht mit Fragen vergeuden, auf die es keine Antworten gibt ..."

Neid setzt Verwandtschaft voraus ... Es würde einem doch nicht einfallen, Jesus am Kreuz um seine guten Repliken zu beneiden, oder?

Propheten sind über den Neid erhaben, denn sie bezahlen für ihre Würde einen fürchterlichen Preis.

Ihr Gesicht war verdreht in dem Wunsch zu beschleunigen und zugleich zurückzuhalten.

"Eine Geschichte kann unwahr sein. Aber die Geschichte und ihr Erzähler zusammen sind immer wahr." (Rumi)

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Die visionären Entdeckungen werden immer die Trägheit der Geschichte gegen sich haben. Doch sie haben die Zeit auf ihrer Seite.

Das Wesen des Spiels ist Akzeptanz.

"Du bist ein Narr!" sagte sie zornig. "Vor dem Menschen, den wir lieben, sind wir alle Narren", erwiderte der Junge.

"Für einen leidenschaftlichen Menschen ist die Liebe ein Labyrinth. Jeder Weg gleicht einem Ausweg, und doch führen sie alle zum Zentrum zurück." (Charlotte)

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"Wer es für notwendig hält, etwas zu verbergen, kann nicht Gott sein ... Das gleiche gilt natürlich ... für den Teufel." (Georg von Austen)

Symbole sind nie unverständlich oder geheimnisvoll. Sie leuchten aufgrund ihrer Durchsichtigkeit, weil sie reiner sind als die Welt, die sie umgibt.

Und die größte Enthaltsamkeit von allen ist: nicht zu vergeben.

"Europa könnte man als einen Ort beschreiben, an dem die größte Bedrohung des Menschen von ihm selbst ausgeht ..." (Der Inder)

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In dem Augenblick, in dem wir die Welt betrachten, beginnt sie sich zu verändern.

 

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Fräulein Smillas Gespür für Schnee

Manche Leute meinen vielleicht, ich sei eitel. Das will ich eigentlich nicht abstreiten. Ich kann ja auch Gründe dafür haben. (Smilla)

Mir geht es mit der Einsamkeit wie anderen mit dem Segen der Kirche. Sie ist für mich ein Gnadenlicht. Ich mache nie hinter mir die Tür zu, ohne mir bewusst zu sein, dass ich damit für mich eine Tat der Barmherzigkeit vollbringe. (Smilla)

Die Trauer ist ein Geschenk. Etwas, um das man sich verdient machen muss.

Als in den dreißiger Jahren allmählich die ersten größeren Ladungen von Grönländern nach Dänemark kamen, schrieben sie mit als erstes nach Hause, die Dänen seien Schweine, sie hielten Hunde im Haus.

Das Gespräch nähert sich dem Ende, ohne in Gang gekommen zu sein. Wie so viele Gespräche zuvor und danach.

Es ist immer interessant, Europäer der Stille zu überlassen. Für sie ist sie eine Leere, in der die Spannung steigt und ins Ungewisse wächst.

Verstehen wollen heißt, dass wir etwas zurückzuerobern versuchen, was wir verloren haben.

Nur wenige Menschen können zuhören. Ihre gehetzte Eile zieht sie aus dem Gespräch heraus, ... oder sie überlegen sich ihren Auftritt für den Moment, in dem man selber die Klappe hält, damit sie sich nun ihrerseits in Szene setzen können.

Schnee lesen ist wie Musik hören. Das Gelesene beschreiben heißt, die Musik schriftlich erklären.

Jede theoretische Erklärung ist eine Reduzierung der Intuition.

Nichts ist so entwaffnend wie die Hellhörigkeit.

Kein Mensch kann einem anderen etwas versprechen.

Ich telefoniere nicht gern. Ich will sehen, mit wem ich rede.

Es stimmt nicht ganz, dass Telefongespräche die schlechteste Kommunikation sind, die es gibt. Mit einer Gegensprechanlage sind wir dem Rekord doch noch ein bisschen näher.

Mich bezaubern Leute, die noch mit achtzig strenge Auflagen erfüllen.

Mein Dasein beruht auf den kleinen Freuden.

Wenn ein Spitzname hängenbleibt, dann deshalb, weil er eine tiefere Wahrheit eingefangen hat.

Man muss den langsamen Menschen alle Zeit der Welt lassen.

Man kann eine Depression auf verschiedene Weise zu kaschieren versuchen ... Das ist der europäische Weg. Darauf zu hoffen, dass man sich aus dem Problem herausarbeiten kann. Ich nehme den grönländischen Weg. Der besteht darin, dass man in das schwarze Loch hineingeht. Seine Niederlage unter das Mikroskop legt und bei diesem Anblick verweilt.

Kinder können jemanden, den sie nicht mögen, erinnern, aufheben und erfrieren lassen.

Wenn physische Gewalt in einer Beziehung lange Zeit nur latent da ist, kann es manchmal geradezu erleichternd sein, wenn man zu ihr vorstößt.

Menschen, die verliebt sind, ... machen alles, was die Glut, die sie wärmt und zugleich verbrennt, entfachen kann.

 

Smilla und die Zahlen

"Weißt du, was hinter der Mathematik steckt? Hinter der Mathematik stecken die Zahlen. Wenn mich jemand fragen würde, was mich richtig glücklich macht, dann würde ich antworten: die Zahlen. Schnee und Eis und Zahlen. Und weißt du warum?

Weil das Zahlensystem wie das Menschenleben ist. Zu Anfang hat man die natürlichen Zahlen. Das sind die ganzen und positiven. Die Zahlen des Kindes. Doch das menschliche Bewusstsein expandiert. Das Kind entdeckt die Sehnsucht, und weißt du, was der mathematische Ausdruck für die Sehnsucht ist?

Es sind die negativen Zahlen. Die Formalisierung des Gefühls, dass einem etwas abgeht. Und das Bewusstsein erweitert sich immer noch und wächst, das Kind entdeckt Zwischenräume. Zwischen den Steinen, den Moosen auf den Steinen, zwischen den Menschen. Und zwischen den Zahlen. Und weißt du, wohin das führt? Zu den Brüchen. Die ganzen Zahlen plus die Brüche ergeben die rationalen Zahlen. Aber das Bewusstsein macht dort nicht halt. Es will die Vernunft überschreiten. Es fügt eine so absurde Operation wie das Wurzelziehen hinzu. Und erhält die irrationalen Zahlen.

Es ist ein Wahnsinn. Denn die irrationalen Zahlen sind endlos. Man kann sie nicht schreiben. Sie zwingen das Bewusstsein ins Grenzenlose hinaus. Und wenn man die irrationalen Zahlen mit den rationalen Zahlen zusammenlegt, hat man die reellen Zahlen.

Es hört nicht auf. Es hört nie auf. Denn jetzt gleich, auf der Stelle, erweitern wir die reellen Zahlen um die imaginären, um die Quadratwurzeln der negativen Zahlen. Das sind Zahlen, die wir uns nicht vorstellen können. Zahlen, die das Normalbewusstsein nicht fassen kann. Und wenn wir die imaginären Zahlen zu den reellen Zahlen dazurechnen, haben wir das komplexe Zahlensystem. Das erste Zahlensystem, das eine erschöpfende Darstellung der Eiskristallbildung ermöglicht. Es ist wie eine große, offene Landschaft. Die Horizonte. Man zieht ihnen entgegen, und sie ziehen sich immer wieder zurück. Das ist Grönland, und das ist es, ohne das ich nicht sein kann! Deshalb will ich mich nicht einsperren lassen."

Ich werde immer missbilligen, wenn Erwachsene den Druck der Liebe, den sie nicht haben loswerden können, an kleinen Kindern auslassen. (Smilla)

Man hat so selten die Möglichkeit, sich einem Menschen zu erklären. In der Regel muss man darum kämpfen, zu Wort zu kommen.

"Wenn man das Irdische begrenzt, macht man das Denken für das Geistige frei." (Elsa Lübing)

Jeden Spaziergang muss man gehen, als sei er alles, was man noch vor sich hat.

Wenn man ... Ball spielt, gibt es manchmal diesen Augenblick, dass man sich ohne ein Wort sofort versteht.

Es kommt mir so vor, als hätte ich ihn schon einmal gesehen. Dieses Gefühl fügen mir Gesichter und Orte immer öfter zu.

"Ich schlage vor, dass sie sofort kommen." (Andreas Fine Licht) - Ich spürte eine Stichflamme der Irritation. Manche Leute lernen es nie, Befehle entgegenzunehmen.

In dem Moment, wo man das Fremde begreift, verliert man den Drang, es zu erklären. Ein Phänomen erklären heißt, sich davon entfernen. Wenn ich anfange, mit mir selber oder anderen über Qaanaaq zu reden, habe ich fast wieder verloren, was nie richtig mein gewesen ist.

Wie jetzt auf dem Sofa, wo ich Lust habe, ihm zu erzählen, weshalb ich an die Eskimos gebunden bin. Dass es mit ihrer Fähigkeit zu tun hat, ohne jeden Zweifel zu leben in dem Wissen, daß das Dasein sinnvoll ist. Dass es mit der Art und Weise zu tun hat, wie sie in ihrem Bewusstsein mit unvereinbaren Gegensätzen leben, ohne an deren Widersprüchen zugrunde zu gehen oder nach vereinfachenden Lösungen zu suchen. Dass es mit ihrem kurzen, kurzen Weg zur Ekstase zu tun hat. Weil sie einem Mitmenschen begegnen und so sehen können, wie er ist, ohne zu bewerten und ohne ihren klaren Blick durch Vorurteile trüben zu lassen.

Es gibt nur einen Weg zur Furchtlosigkeit. Nämlich den, der in das rätselhafte Zentrum der Angst hineinführt.

Im Laufe eines jeden Lebens bietet sich die Möglichkeit einer Klärung.

In diesem Augenblick wird es so deutlich wie seit meiner Kinderzeit nicht mehr, dass die Wahlfreiheit eine Illusion ist, dass uns das Leben durch eine Reihe bitterer, unfreiwillig komischer, sich wiederholender Konfrontationen mit den Problemen führt, die wir nicht gelöst haben.

Smilla Qaavigaaq Jaspersen ... reiste meine Mutter nach Westgrönland und brachte von dort den Frauennamen Millaaraq nach Hause ... einigten sie sich auf Smillaaraq, das auch das dänische Wort smil für >Lächeln< enhielt ...

Nichts ist so grotesk wie die in der dritten oder vierten Welt praktizierte kalte europäische Höflichkeit.

Ich sagte nichts. Ich erprobte an Bernard Jakkelsen das Schweigen. Er erträgt es sehr schlecht. Selbst jetzt, wo er seine Laune nicht gegen sich hat, spürt man die versteckte Nervosität.

In Qaanaaq fanden wir Armbanduhren hübsch. Einige Robbenfänger trugen sie als Schmuck. Aber wir dachten nicht im Traum daran, uns danach zu richten ... In Qaanaaq richten wir uns nach dem Wetter ... Wir richten uns nach den Tieren. Nach der Liebe. Dem Tod. Nicht nach einem Stück Blechmechanik.

Ich war gerade Anfang Zwanzig. In dem Alter kann man mit größerem Selbstvertrauen lügen - sich sogar selbst belügen.

Das Dumme am Tod ist nicht, dass er die Zukunft verändert, sondern dass er uns mit unseren Erinnerungen allein zurücklässt.

Gefühle müssen klar fließen, um sich nicht zu verwirren.

Er betrachtet mich mit der gemächlichen, brutalen Zufriedenheit, die das Gefühl der körperlichen Überlegenheit manchen Männern gibt.

Ich verliebe mich nicht mehr. So wie mich auch der Frühjahrskoller nicht mehr erwischt. Aber man kann natürlich von der Liebe überfallen werden ... Das ist keine Verliebtheit. Dafür sehe ich zu klar. Verliebtheit ist eine Art Irrsinn. Eng verwandt mit dem Hass, mit der Kälte, mit dem Groll, dem Rausch, dem Selbstmord.

Zu dem vorstoßen, was man soll. Vielleicht ist es das, was mir Jesaja gegeben hat. Was einem jedes Kind geben kann. Das Gefühl von Sinn.

Europäer brauchen leichte Erklärungen. Sie ziehen jederzeit eine eindeutige Lüge einer widersprüchlichen Wahrheit vor.

Die Sehnsucht nach der Vergangenheit war damals in Thule ein völlig neues Gefühl. Sentimentalität ist die erste Revolte des Menschen gegen den Fortschritt.

Es sind die Entscheidungen, die das Leben schwer machen. Wer gezwungen ist, immer vorwärts zu gehen, hat es einfach.

Man hatte uns dazu erzogen, die Tiefe zu respektieren, die im Wahnsinn liegen kann.

Solange man jung ist, glaubt man, der Sex sei der Gipfel der Vertrautheit. Später entdeckt man, dass das gerade mal ein Anfang ist.

Doch das alte grönländische Totenreich scheint mir einiges für sich zu haben. Wenn man sich anschaut, mit welchen Unwahrscheinlichkeiten man im Leben zu tun hat, ist es unwahrscheinlich, dass das aufhört, wenn man tot ist.

Eine Grenze, wir haben alle ein Grenze. Unsere Ausdauer hat Grenzen. Man kann nicht beliebig oft versuchen, sich dem Leben zu nähern. Nicht beliebig viele Zurückweisungen ertragen.

Naivität hat etwas Sympathisches. Bis sie verführt wird. Dann ist sie nur noch deprimierend.

Die Vergangenheit ist ein Luxus, den wir uns nicht mehr erlauben können.

Jesaja hatte manchmal etwas in seinem Blick, ein Wissen, das älter war als sein Alter, älter als das Alter von irgend jemandem, eine tiefe Einsicht in die Erwachsenenwelt. Tørg ist diesem Blick begegnet. Es gibt andere Anklagen als die, die ein Gericht erheben kann.

Körperlicher Schmerz ist im Vergleich zum Schmerz in der Seele papierdünn und nebensächlich.

Es gibt einen Schlaf, der schlimmer ist als Schlaflosigkeit.

Auf einem Schiff kreuzt man ununterbrochen seine eigenen Spuren. Wie im Leben.

Und wie immer, wenn ein Erwachsener durchsichtig wird, tritt das Kind hervor.

So habe ich die Welt erlebt, seit ich Grönland verlassen habe. Als eine Kette aus Zwängen.

 

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Der Plan von der Abschaffung des Dunkels

"Wenn ich spreche, sollt ihr zuallererst auf die Pausen hören, die ich mache. Sie sagen mehr als meine Worte." (Biehl)

Meldet sich während eines Experimentes ein Schmerz, ... sollte man nie unterbrechen und sich von ihm entfernen. Sondern statt dessen sollte man das Licht der Aufmerksamkeit auf ihn richten.

Ganze Tage, die wegfallen, und kurze Augenblicke, die werden wie die Ewigkeit.

Beten heißt etwas gestehen, einräumen, dass man Hilfe braucht.

Richten und bewerten ... Wenn man lobt, dann richtet man auch. Und dann tut man etwas, das eine tiefe Wirkung hat.

Das meint man wohl noch immer, es ist in der Gesellschaft recht verbreitet. Dass es gut ist, bewertet zu werden.

Das Kind hatte ... nur darum gebeten, gesehen zu werden. Doch sie bekam eine Bewertung. "Wie tüchtig du bist." Es ist keine böse Absicht, wenn man Leute bewertet. Man tut es nur, weil man selbst so oft getestet worden ist.

Jesus war nach der Ewigkeit gefragt worden. Und er hatte auf das Hier und Jetzt verwiesen.

Ich sagte nicht viel, das war auch nicht notwendig ... Sie hörte alles, auch das, was ich nicht sagen konnte.

Um die Erwachsenen hat sich die Zeit gelegt, mit ihrer Hast, ihrem Ekel, ihren Ambitionen, ihrer Bitterkeit und ihren langfristigen Zielen. Sie sehen uns nicht mehr richtig, und was sie sehen, haben sie fünf Minuten später wieder vergessen.

Für sie war es so wichtig zu wissen. Man würde ihr nie begreiflich machen können, dass es ab und zu eine größere Hilfe sein kann, nicht zu wissen.

Ich sagte, dass ich sie liebte ... Sie antwortete nicht. Doch das war auch nicht nötig. Ich hatte gegeben, ohne eine Gegenleistung zu brauchen.

Man kann stillsitzen und zuhören und dem anderen auf diese Weise zeigen, dass es in Ordnung ist, was er sagt. Er wird nicht beurteilt werden.

Und die Sinne sind keine passiven Empfänger der Wirklichkeit, sie verarbeiten sie; was wir erfassen, ist stark verarbeitet.

Zeitgefühl und Sprache gehören untrennbar zusammen.

Es war lange hell gewesen, und obwohl es jetzt dunkel war, war das Licht nicht verschwunden, sondern gleichsam eingehüllt in die Nacht.

 

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Die Frau und der Affe

Zehn Jahre vor ihren Altersgenossinnen wusste sie, dass es nutzlos ist, über Dinge zu reden, die man nicht ändern kann.

In dem Augenblick, in dem wir begreifen, dass wir etwas verloren haben, in dem das Verlangen blutet und das Bewusstsein noch nicht geronnen ist, steht die Bedeutung des Verlorenen am deutlichsten vor uns.

Der Affe war beim Essen. Er aß konzentriert, egoistisch, wie sie selbst es sich immer erträumt hatte, ... ohne Höflichkeit, jedoch mit der Furchtlosigkeit, die von Anfang an wie eine Frage an sie gewesen war, eine Frage, die, das ging ihr jetzt auf, gelautet hatte: Wie möchtest du wirklich sein? Und auf diese Frage hatte ihr Innerstes geantwortet: Ich möchte - auf eine Art - sein wie du.

"Es gibt kein Draußen mehr. Wenn es noch eine Freiheit gibt, muss sie drinnen zu finden sein." (Madelene)

Aus dem Schutz, den Hoffnungen und Tagträume gewähren, herauszutreten ist nicht angenehm.

Einen Augenblick waren die beiden Frauen einander nahe, wie es geschieht, wenn man es für Momente aufgibt, auf seinen privaten Masken zu bestehen.

"Wir unterscheiden uns von den Tieren nicht durch die Sprache oder die Intelligenz. Wir unterscheiden uns, weil wir uns direkt in die Augen sehen können." (Dr. Firkin)

"Erwachsen ist man erst, wenn man frei ist." (Madelene)

Madelene verspürte den Auftrieb, den man bekommt, wenn man spricht und einem jemand zuhört, fühlte ihn wie einen warmen thermischen Aufwind. Sie breitete die Flügel aus und hob ab.

Erasmus gab Madelene während ihrer Zeit im Garten nie das geringste Versprechen. Menschliche Liebende versichern einander ununterbrochen, dass sie und ihre Liebe leben, sich wohl befinden und dass sie noch immer durch eine warme Nabelschnur miteinander verbunden sind. Das kam ihm einfach nicht in den Sinn. Und mehr noch. Sie selbst wollte es auch nicht.

"Tiere laufen weg, um sich unsichtbar zu machen. Das ist eine gute Methode. Das ist etwas, was wir alle lernen müssen. Aber es gibt auch noch eine andere Methode: Wenn man versteht, was kommt, braucht man nicht wegzulaufen. Dann kann man stehenbleiben, ganz in der Nähe, und doch unsichtbar sein. Weil man weiß, wo man stehen muss." (Erasmus)

"Wenn wir zum Fluss gehen, um zu trinken, dann kommt manchmal, dann kommt recht oft die Sonne. Obwohl wir gar nicht deswegen gekommen sind. Wenn man das Kleine sucht, findet man zuweilen das Große." (Erasmus)

"Wenn man versucht, zu schnell viel zu erfahren, vernichtet man das, worüber man etwas wissen will." (Erasmus)

Selbst den Menschen, den man liebt, wird man nie ganz verstehen.

 

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Das stille Mädchen

Dann erkannte er das Mädchen. Zeitgleich mit dem Wiedererkennen trat die Stille ein.

Talent ist die Fähigkeit, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Selbst im System eines geübten Lügners ruft die Lüge ein feines Schnarren hervor.

Es geschah etwas im Raum, die Temperatur fiel, die Anzahl der Schwingungen sank, alles erstarrte.

Die spirituellsten Menschen stehen den Tieren am nächsten. (Martin Buber)

Gott soll man bei den Tieren suchen. (Meister Eckhart)

Er lauschte der Müdigkeit, sie strebte aus allen Richtungen gleichzeitig heran. In dem Augenblick, in dem er ihre Tonart bestimmen wollte, kristallisierte sie und ging in Schlaf über.

In der Schweiz ist Steuerbetrug kein Verbrechen. Eher eine religiöse Tugend.

Die großen Krankheiten beginnen jenseits des Physischen.

Er lauschte der Tragik, welche die meisten Menschen umlagert. Dem Geräusch all dessen, das werden könnte und nie wird.

Ausschließlich auf sich selbst beruhende Autorität ist selten.

Er verstand, dass die Sehnsucht zuweilen größer ist als der Mensch. Und der Mensch zugrunde geht, wenn man sie stoppt.

Vielleicht gibt es gar keinen Tiefpunkt. Vielleicht gibt es nur einen ewigen Fall.

"Nicht Hammerhiebe, sondern der Tanz des Wassers rundet den Kiesel zur Schönheit."
(Rabindranath Tagore)

Die Frage kam aus dem tiefsten Innern. Wenn Menschen aus dieser Tiefe fragen, muss man antworten.

Wer ohne Stolz ist, ist unverwundbar.

Er lehnte sich zurück. Betete. Im Stillen. Synchron mit dem Herzschlag ... Er begegnete seiner Erschöpfung ... Und er begegnete dem naturwidrigen Trost des Gebets.

Berührung hilft nichts, wir erreichen uns ja doch nie.
Und trotzdem -

Die Anwesenheit von Kindern wirft immer einen legitimierenden Schein auf Erwachsene.

Er blickte auf das Unmögliche hinunter ... Dort unten waren keine Erwachsenen. Es gab keinen dominanten Klang in der Gruppe. Es waren elf Kinder. Und das Spiel war vollkommen harmonisch.

Familien hatte er immer anders aufgefasst, als die Leute es normalerweise tun, was er hörte, war ihre ausgewogene Intensität. Wie die Goldbergvariationen, es war nie eine Musik zum Einschlafen gewesen. Die wirklichen Möglichkeiten einer Familie lagen nicht in der Geborgenheit, nicht in der Monotonie, nicht in der Voraussagbarkeit. Die wirklichen Möglichkeiten lagen darin, dass es zeitweise keine Fronten gab, keine Masken, keine Vorbehalte, plötzlich hatten alle den Gehörschutz abgesetzt, es war still, man konnte die anderen so hören, wie sie waren. Genau deshalb hatte Bach keine Zeit verloren und sich bald eine Frau genommen und ausreichend Kinder gezeugt, um damit einen Kammerchor auf die Beine zu stellen.

Sie sprach, als kennten sie sich schon lange. Sie sprach wie eine große Schwester. Tödlich unumwunden.

Er hatte die Orientierung verloren, äußerlich und innerlich.

Vielleicht bedeutet Gebet nicht unbedingt, zu jemandem zu beten. Vielleicht ist es eine aktive Methode aufzugeben.

Die Liebe zum Fremden birgt die Liebe zu Christus.

Nun war die Höflichkeit plötzlich weg. Das ist eine der Aufgaben des Clowns. Auch die dunklen Seiten des Jetzt zu erlösen.

Die Ausweglosigkeit tönt in d-Moll. Es war Mozart, der die Entdeckung machte. Und sie entwickelte. Im Don Giovanni. Rund um den Steinernen Gast. Vor Mozart hatte es immer einen Ausweg gegeben. Immer hatte man Gott um Hilfe anflehen können. Mit Mozart beginnt der Zweifel am Göttlichen.

Verallgemeinerungen haben einen unmenschlichen Anstrich.

Vor den großen Greueln und den großen Wundern sind wir machtlos. Die h-Moll-Messe und die großen Kriege, da kann der einzelne nichts tun.

"Es gibt zwei Arten Stille", sagte Kasper, "so kam es mir jedenfalls immer vor. Die hohe Stille, die hinter dem Gebet. Die Stille, wenn man dem Göttlichen nahe ist. Die Stille, welche die verdichtete, ungeborene Anwesenheit allen Lichts ist. Und dann gibt es die andere Stille. Hoffnungslos weit entfernt von Gott. Und von anderen Menschen. Die Stille der Abwesenheit. Die Stille der Einsamkeit."

Wir sehen das Überraschende nicht, wenn es als Alltag verkleidet zu uns kommt.

Böse Persönlichkeiten gibt es nicht. Jede Persönlichkeit hat basal betrachtet einen mitfühlenden Klang. Es sind die Stellen, an denen unsere Menschlichkeit Löcher hat, wo wir nicht widerhallen, die Stellen sind gefährlich. Dort, wo wir das Gefühl haben, wir stünden im Dienste einer höheren Sache. Dort müssen wir uns fragen, ob die Sache wirklich so hoch ist. Das ist unser wunder Punkt. In anderen Kulturen nennen sie es Dämonen. Uns fehlt das Wort dafür. Aber ich kann es hören. Es ist Kriegslärm. Kollektive Wut.

Was Kasper hörte, war Müdigkeit. Keine vorübergehende Erschöpfung. Sondern eine Müdigkeit, die zwanzig oder dreißig Jahre alt war. Er hatte sie bei einigen großen Zirkusdirektoren gehört, die etwas anderes und mehr wollten, als nur Geld zu verdienen. Es war die Müdigkeit eines Menschen, der nicht nur einen Job hat, sondern eine Mission und der sich von ihr hat auffressen lassen. Und der nun, langsam, von innen ausbrannte.

Die Überraschung des Beamten hätte nicht einmal mit einem Oszillographen registriert werden können, er zuckte nicht mit der Wimper. Aber Kasper hörte sie.
   Normalerweise hätte Mørk nicht geantwortet; nur wer dichthält, schwimmt oben. Aber so kurz vorm großen Gewinn ist es so gut wie unmöglich, hermetisch zu bleiben.

Kasper nickte. Der Klang seines Gegenübers war klar, ohne Schleier. Sie waren dort angekommen, wo sie die ganze Zeit hinwollten.

Mørk richtete sich auf.
"Stirbst du uns weg?" fragte er.
Kasper horchte. Nicht auf seinen Körper, sondern nach außen und oben, der Tod kommt von außen.
Er schüttelte den Kopf.

Schmerz ist nie ausgereizt, nach oben hin gibt es keine Grenze.

Wenn man es darauf anlegt, den weiblichen Instinkt zu provozieren, ist es wichtig, nicht zu übertreiben.

"Ungeachtet dessen, wie nah man sich kommt", sagte sie, "man erreicht sich nie, auch jetzt nicht. Sogar jetzt noch, in dem, was wir hier tun, gib es noch eine Stelle, an der man allein ist."

"Die Einsamkeit", sagte sie. "Warum sollte sie nicht die Erlaubnis haben dürfen, auch hier zu sein?"

Die Kehrseite des Respekts ist eine unnötige Distanz.

Die Erfahrung gemacht zu haben, dass wir in einer Illusion leben, dass die Welt in Wirklichkeit nicht aus Stoff, sondern aus Klang besteht, ist nicht leicht.

"Mein Grundtrauma", sagte er, "ist, dass man dem Weiblichen nicht trauen kann. Frauen wollen immer etwas anderes als Liebe. Vielleicht unsern Körper. Oder unsere Berühmtheit. Unser Geld."

Trotz alledem war sie natürlich gewesen. Natürlich auf die Art, die die wilden Tiere mit Bachs Musik gemein haben. Eine Natürlichkeit, durch die es einem nicht im Traume einfällt, eine Note zu ändern, weil es gar nicht anders sein kann. Wirkliche Freiheit ist die Befreiung davon, eine Wahl treffen zu müssen. Weil alles perfekt ist.

Maximillian Krone hatte sich zurückgelehnt und sich auftun lassen, ohne je danke zu sagen, die Würdigung wohnte der Situation selbst inne.

Er hatte entdeckt, dass im Universum der Ton jedes Menschen den Zugang zu allen anderen Tönen erlaubt.

Der Hochstapler in uns allen, er liebt das Internet.

Jeder von uns trägt seine eigene Wirklichkeit mit sich herum. Mit nur sehr wenig Kontakt zur Wirklichkeit der anderen.

Die Stimmung im Raum war magisch. Wirkliche Vertrautheit ist immer flüchtig.

Kasper hörte ihre Sehnsucht. Man kann sie bei allen Menschen hören. Aber bei den meisten ist sie in den Hintergrund getreten. Sie war plötzlich ganz davon erfüllt.

Kein Widerhall im System des Gegenübers. Kein Sinn für Humor. Was die Arbeit des Clowns erschwert. Aber nicht weniger wichtig macht.

Er wollte mit der Frage das System des anderen knacken, es gelang, Kasper fing an, ihn zu hören, es war kein schöner Ton.

Es gibt zwei Arten von Furchtlosigkeit. Die erste ist die Furchtlosigkeit der Liebenden, die Furchtlosigkeit der Mystiker, der Mut der Kunst der Fuge, der daraus entsteht, dass man sich ganz geöffnet und vollständig hingegeben und nichts zurückgehalten hat, und jetzt strömt die Welt in einen hinein und erfüllt einen, und man weiß, man hat das alles nicht nur geliehen bekommen, sondern wird es nie mehr verlieren.
   Der Mut des Mannes war ein anderer. Er entsteht daraus, dass man die Quelle gefunden und sie ein für alle Mal verschlossen und damit wertlos gemacht hat, so dass man immer die Ruhe bewahrt, selbst wenn das Leben auf dem Spiel steht, weil im Grunde nichts zu verlieren ist.

Im selben Augenblick, in dem die Worte ausgesprochen waren, hörte Kasper die Liebe erscheinen. Keine weltliche Liebe, keine Sehnsucht, kein Verlangen nach Sex oder Geld, das ist traumhaft schwach, verglichen mit dem Klang, der von diesem Mann eine Sekunde lang ausging. Es war die Sehnsucht der Sehnsüchte, das Begehren des Göttlichen, das er hörte.

Es war eine Welt, die einen Augenblick lang offenstand. Ein Kontinent. Mitten auf der Straße. Vor den verlassenen Kanälen und verfallenen Häusern. Es war der Wahnsinn derer, die an der großen Stille genippt haben und keine weiteren Tropfen davon bekommen. Kasper dachte an den Heiland.
   Kasper betrachtete Ernst. Er wusste, dass er Aspekte dieses besonderen Gefühls erlauschte, das ein spirituell vollendeter Mensch bei seinen Verehrern weckt, selbst wenn dieser Mensch ein Kind ist.

Es war die Trauer derer, die sich an ihrer eigenen tiefsten Sehnsucht vergangen haben.

Eine Liebe, die nicht erwidert wird, kann große Tiefe haben.

Liebe hat etwas mit Wiedererkennen zu tun. Vom Unbekannten können wir fasziniert sein, es kann uns reizen, aber Liebe ist ein Gewächs, das langsam, in einem Ambiente der Vertrautheit, größer wird.

"Für den, der betet", sagte sie, "nimmt die Anzahl auffälliger Zufälligkeiten zu."

"Ich ging zu ihr. Alle anderen waren wie gelähmt, ich war der einzige, der sich bewegte. Ich hörte ihren Klang. Ihr Körper war tot. Aber ihr Klang war lebendig. Er war nicht unglücklich. Er war vergnügt. Es war kein Unfall. Nicht aus höherer Sicht. Aus höherer Sicht hatte sie bloß eine bestimmte Tür geöffnet. An und für sich die beste Tür, die es gibt." (Kasper)

Für immer sind wir in ein Gewebe aus Tönen und Herzgefühlen eingesponnen, für dieses Gewebe macht es im Grunde keinen Unterschied, ob die Menschen lebendig sind oder tot.

Sein Körper fühlte sich lahm an. Eine alte Lähmung. Die daher kommt, von Frauen manipuliert zu sein. Nicht nur in diesem Leben, sondern schon in vielen Leben davor.

"Damals wussten wir, dass man die großen Dinge nicht für sich allein haben kann. Wenn einer hungert, spüren alle andern den Hunger auch. Mit dem Glück ist es das gleiche. Privates Glück gibt es nicht. Oder Freiheit. Wenn sie nicht frei ist, bin ich's auch nicht. Sie könnte ebensogut ich sein. Vielleicht ist das Liebe." (Kasper)

Wenn die Liebenden sich ernsthaft einander nähern, werden sie dazu gedrängt, das andere Geschlecht in sich selbst zu erforschen. Auf der anderen Seite der Reise erwartet sie die große Liebesbegegnung.

Das Gebet ist ein Papierschiffchen der Wachheit auf dem weltlichen Strom der Müdigkeit.

Er sah sich um. Die Äbtissin war nicht im Raum. Sie musste irgendwo in ihm stecken. Vielleicht im Herzen. Es war keine Stimme, die er hörte, sondern die Überzeugung. Dass er seinen Schwung verbraucht hatte. Er würde nicht wiederkommen.

Er justierte das Gebet. Das einzige, worauf man sich verlassen konnte. Gemeinsam mit der Liebe. Und auf die auch nur mit Abstrichen.

Wenn man erst einmal auf den Gedanken gekommen ist, dass einen nur noch der Herrgott selbst überraschen kann, hat man sich in gewisser Weise verwundbar gemacht.

Es ist diese Form der Neunmalklugheit, die uns Menschen Grenzen setzt und unsere Empfänglichkeit für das wirklich Wunderbare hemmt.

Kasper merkte, dass er in die Zukunft lauschte. Er hörte einen Vorgeschmack dessen, was wir zu erwarten haben, wenn Afrika in Kürze die Geduld verliert und sich erhebt.

Die beiden Kinder umgab eine Konzentration, die Kasper bei Kindern nie vernommen hatte. Ja, kaum bei Erwachsenen.

Er lachte innerlich. Ein stilles, privates Lachen. Er empfand keine Angst mehr. Man kann einem Menschen vieles nehmen, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Dann ist er frei.

Sowohl Franz von Assisi als auch Ramana Maharshi hatten gesagt, dass der Erleuchtete die Welt als Irrenanstalt ansieht, während die geschlossenen Anstalten auf ihn erfrischend normal wirken können.

Es ist das Besondere an Worten. Allein ihre Lautqualität aktiviert einen Teil der Wirklichkeit, den sie benennen.

Alles, was verschwiegen wird, lagert sich an der Peripherie der jeweiligen Situation ab, wie ein Trauerrand unreinen Klangs. Der Raum erzitterte vom Ungesagten.

Vorsorglich ließ er sich rücklings in sein Gebet sinken. Es gibt nichts, was das Göttliche nicht ertrüge.

 

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© Hubert Hirsch - Poetische Tagträume

 

Zum Wegweiser auf der kosmischen Reise

 

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